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Fränkische Schweiz, im August 2019
Berit, Claus, Jannik, Luise, Philine

4.30 Uhr. Unmenschlich früh fuhr ich los. Auf ging es in die Fränkische, zu Oma Eichlers Zeltplatz. Berit, Jannik, Luise und Philine, die bereits vorgefahren waren, schliefen gewiss noch in ihren taubedeckten Zelten, um Kraft zu tankten für die anstehenden Klettertage.

Im Frankenjura schrieb der Klettersport Geschichte. Kletterfreunde aus aller Welt zieht das liebliche Mittelgebirge seit über 200 Jahren an – bei rund 12.000 Kletterrouten an etwa 800 einzelnen Felsen. Herrlicher Kalkfelsen lockt mit seinen zahlreichen Rissen, Kaminen, Wänden, Kanten, Überhängen, Bierhenkeln und Fingerlöchern. Kletteridole wie Wolfgang Güllich und Kurt Albert verewigten sich hier mit sackschweren Routen.

Gute drei Stunden später querte ich die frische, tautropfenglitzernde Wiese des Campingplatzes und steuerte auf den Tisch meiner Kletterpartner zu. Dem Tisch fehlte es an nichts - die Gesichter meiner Freunde waren noch nicht so taufrisch.
Die Sonne eroberte gemeinsam mit mir den Frühstückstisch. Sie kroch Zentimeter für Zentimeter von der selbstgemachten Himbeermarmelade, zum Obst, dem Müsliyoghurt, Kaffee, Tee, Obstsaft bis rüber ans andere Ende des Tisches, zum schon schwitzenden Gouda.

Die schlaftrunkenen Gesichter von Berit, Janik, Luise und Philine erwachten zusehends... -was nicht nur den rücksichtslosen Wespen zuzuschreiben war. Aufgeregt schwirrten sie über das exorbitante Nahrungs-Angebot unseres Campingtisches. Die Wespen verhielten sich wie Sozialtaliban und nahmen nicht die leiseste Rücksicht auf unsere Gemüter an diesem jungfräulichen Tag. Doch die Idylle des Zeltplatzes von Oma Eichler schien unerschütterlich - ringsherum Kletterer aus aller Welt. Jung und alt. Groß und klein. Auf den Tischen dampfte frischer Kaffee und Tee, dufteten Brötchen.

Nur die Wespen ließen nicht locker - alles auf dem Tisch war scheinbar ihres. Scheinbar! Denn schon bald lagen manche Nerven blank. So wunderte es wenig, dass manche am Tisch unsere Marmeladen, Früchte und Müslis nicht widerstandslos hergeben wollten. Die Unruhe, die die Schwarzgelben verbreiteten, passte nicht in die sonst so makellose Frühstimmung: neben den Zelten schlängelte sich -  erfrischend anzuschauen - die Trubach. Sie verdichtete das Naturidyll zu einer perfekten Komposition.

Aktion und Reaktion entwickelten einen regelrechten Kleinkrieg zwischen Mensch und Tier, der übles Ausmaß annahm. Es eskalierte ein Gemetzel, das an dieser Stelle keine weitere Vertiefung und Aufmerksamkeit verdient. Die wurde uns nämlich bereits zuteil - campingplatzweit. Doch bald folgte besonnenes Verhalten und wir schauten nach Vorn … zu den Felsen, die lockten.

 

Zunächst entschieden wir uns für die Hohe Reute. An diesem Fels gab der Kletterführer Routen in allen Schwierigkeitsgraden bis in den Siebten Grad. Eine 3er-Route, „Stemmkamin“, die komplett selbst abgesichert werden muss, bietet gutes Terrain zum Vorstiegs- und Selbstsicherungs-Training. Zwei Siebener, die die Ambitionierteren unter uns ansprachen – und zwei 8er-Routen. Mit seinen 16 m Höhe und 15 Routen stellt die Hohe Reute ein interessantes Kletterziel in der Fränkischen dar.

Und nach der Kletterei, zurück am Campingplatz, erfreuten wir uns an selbstgemachten Kuchen von Oma Eichlers Nachfahren. -Auch die selbstgebrannten Obstler aus der Region dürfen nicht unter den Tisch fallen - sie rundeten den Tag angemessen ab.

Neuer Tag neues Glück. Die Wespen machten sich wieder über unser Frühstück her - genau wie wir.

An diesem Tag fuhren wir zu dem linken Teil der Zimmerbergwände. Dort finden sich 12 Routen, von 5- - 7+/8-, 15m hoch.

Tolle Kletterrouten forderten uns heraus. Der Paukenschlag stand jedoch noch bevor: Jannik hatte den "Rolling Stone" (8) entdeckt. Ein eingequetschter Riesenklotz, verklemmt zwischen zwei Felswänden, beherbergt einen überhängenden Boulder, der Ehrfurcht einflößt - nur vom Zuschauen. Nach einem ambitionierten Klettertag ein würdiger Abschluss. Und Jannik boulderte den Kracher aus, um ihn dann sauber durchzureissen!

Es war ein spannendes Wochenende mit tollen Freunden und hinterlässt den Wunsch rasch wiederzukommen.

 

Und weil´s so schön war, gibt es auch noch ein Video:

 

Und noch ein paar Impressionen als ad on:

 

 

   
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