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Abklettern in der Pfalz - Oktober 2017

Alpinclub Kassel - Abklettern in der Pfalz | 2017

Wir waren spät dran. Andrea fuhr forsch. Klettern konnten wir heute nicht mehr. Im matten Blau flogen bewaldete Hügel an uns vorbei, eingetaucht in magisches Vollmondlicht. Natürlich wollte ich mich nicht als ängstlicher Beifahrer outen und schwieg – auch noch, als sie amüsiert erzählte, dass kürzlich einem Beifahrer übel wurde. Nun, sie fuhr sicher, also hielt ich den Mund.

vollmond

Wahrscheinlich freute sie sich auf die Pfälzer Küche. Und die Freunde des Alpinclubs. (Wahrscheinlich in umgekehrter Reihenfolge). Abklettern war angesagt. Und alle waren gespannt, was Petrus morgen in die Waagschale werfen werde.

Angekommen, im Bärenbrunner Hof, steuerten wir den Tisch unserer Freunde an, die bereits im Verdauungsmodus weilten. Zahlreiche Gläser tummelten sich am Tisch und gute Stimmung erfüllte den Raum – weit und breit nur Alpinclubler.

Die Bedienung sah mit erstaunlicher Gelassenheit darüber hinweg, dass sie längst Feierabend haben konnte. Ebenso der Inhaber und Koch. Der saß bereits im Auto, als wir einkehrten, und sehnte sich wahrscheinlich nach Hause. Im Bärenbrunner Hof lebt jedoch der Service-Gedanke.
Vor diesem Hintergrund tranken wir noch eine letzte Runde. Wissend, dass das Lagerfeuer bereits brannte, vor der Hütte des PK. Doch halt: Horst und Anette fehlten noch. Also noch ein bisschen Warten… und wir brachen den Widerstand der Bedienung erneut – dieses Mal aber echt die allerletzte Runde!
Der erste Abend im Bärenbrunner Hof lag hinter uns. Bis zur Hütte waren es nur noch wenige Hundert Meter. Die nächtliche Luft roch schwer nach Laub und Moder. Die zitternden Lichtkegel unserer Stirnlampen huschten wie scheue Tiere durch den Wald. Und bald leuchtete uns das heimelige Flackern des Lagerfeuers entgegen – Frank und Uwe hatten ganze Arbeit geleistet!
Rasch teilten wir uns auf, in das Schnarcher- und Nichtschnarcher-Zimmer. Und – ganz offen – es muss ein übler Egoismus meinerseits gewesen sein, den Frieden der Nacht im Nichtschnarcherzimmer zu gefährden, in dem ich mich (als Selten-Schnarcher) dem Nichtschnarcherzimmer zuordnete – wohlwissend, dass unter bestimmten, seltenen, Rahmenbedingungen auch ich zum Schnarcher werden! Dazu später ungern mehr.

Lagerfeuer

Schon setzten wir uns ans knisternde Feuer und zur wohligen Wärme, scherzten und lachten im flackernden Licht. Wir schwelgten in tollen Geschichten und Abenteuern, die bereits unauslöschlich im Tourenbuch verbucht waren…
So schön die Stunden – wir wollten früh raus. Und so ließen fast alle die Vernunft siegen, und legten sich zum Ruhen ins Nichtschnarcher- und Schnarcherzimmer.

Frühstück. Ich staunte und staunte, was alles aufgetischt wurde! Weich gekochte Eier, selbstgemachte Marmelade, Yoghurt, Müslis ohne Ende, Wurst, Käse UND: das Riesenblech selbstgebackenem Apfelkuchens. Da stand es! Endlich hatte ich es vor Augen, live! Bisher hatte ich es nur aus dem Abbild aus der WhatsApp-Gruppe gesehen. Also, in der WhatsApp-Konversation, war dieses Bild dasjenige, das tief in mir einschlug. –OK, der Teufelstisch war auch nicht schlecht, aber Tanja´s Blechkuchen schoss den Vogel ab. Und gab mir Sicherheit: Sollte das Wetter versagen – der Apfelkuchen würde es richten!
Aber: Vielfalt und Reichtum haben auch ihre Schattenseiten: Auf den Tisch passte kein Blatt Papier mehr zwischen die Eierbecher und Drückerkannen, zwischen Tassen, Becher, Müslischalen und Marmeladen … und es dauerte, bis ich den Eierlöffel im Unterholz der Frühstücksgarniture ertastete. Egal. Jammern kann ich gut!
Und nach dem Frühstück entfalteten sich die Selbstorganisationskräfte der Alpinclub-Gruppe und sorgten - wie von Geisterhand geführt -zu flinkem Abwasch und allem, was es braucht, um eine Hütte wie neu erscheinen zu lassen. Dank den Fleißigen!
Los ging´s – Halt! Da war noch was: Was machten wir eigentlich heute? Wohin sollte es gehen? Naturgemäß gehören die Entscheidungsprozesse, wer wann was mit wem wo macht, zu den Gruppenprozessen, die mich manchmal ins Einzelgängertum treiben. Aber, nach dem Frühstück war mein Bewegungsdrang noch sediert und – ehrlich gesagt – jede Minute „Ruhe vor dem Sturm“ kam grad´ gelegen.
Noch im Bärenbrunner Hof schaute ich mich um. Im Innenhof faszinierte eine Gruppe von faulen Bioschweinen, die allesamt herumlagen, als hätten sie nie, nie, niemals wieder Bock auf irgendwas.

schweine

Auch, wenn es mir noch ähnlich ging – es wurde Zeit, wir mussten los! Doch, wo waren Tanja und Horst? Hatten sie sich verirrt? Im Dschungel des Outdoorklamotten-Ladens verschollen? Irgendwer musste sie retten …
Irgendwann ging es dann unvermeidlich los. Andrea fuhr ambitioniert. Hatte aber zum Glück kein Navi und musste hinter dem Vorderfahrzeug her. Um uns herum, in den pfälzer Bäumen und Wäldern, früh-herbstliche Farben. Die Sonne zeigte sich gnädig und strahlte manchmal müde hinter den Schleierwolken hervor. Sanft mischten sich Pastellfarben in das Grün der Blätter, die bald müde würden und den Halt verlören. Egal – ein Klettertag, wir hatten Glück, Petrus meinte es gut.

gruppe

Endlich im Wald und der Natur konnten wir dem Nachgehen, wofür unser Herz schlägt: Felsen suchen in der Natur, Klettern. Auf dem Weg zum Felsen flanierten wir an weiten Wiesen mit riesigen Parasolpilzen vorbei. Parasole, wie Regenschirme. Herrliche Wanderwege wollten nicht enden. Nur der Krappenfels, der versteckte sich keck.

Es dauerte, doch dann war alles klar. Außer uns kein Mensch weit und breit. Ran an den Fels. Unser Vorstiegs-Terminator Horst scharrte mit den Hufen … wo seine Hände zupackten, fürchtete ich manchmal um den pfälzer Sandstein. Aber, alles ging gut und ratzefatze waren die Seile eingehängt. Auch Martin schrubbte flink die Felsen hoch. Vorsteiger und NachsteigerInnen kamen auf ihre Kosten. Das Kletterglück war unser.

Horst-im-Vorstieg

Martin

 

Abends, in der Hütte, schoben sich dunkle, schwere Wolken vor den Himmel. Schon fing es an zu Regnen. Die ganze Nacht hindurch, als wollte die Natur sprechen: „So! Genug Spaß gehabt in diesem Jahr, jetzt reicht´s, Schluss mit lustig, Aus die Maus: Zieht Euch in die Hallen zurück, auf in die Muckibuden, trinkt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, entstaubt die Skier und Schlitten, fahrt meinetwegen in´s Ausland, schwitzt in Wellnessthermen und sehnt Euch nach dem nächsten Frühling…
Nun, wir hatten die richtige Antwort, packten den Beamer aus und schauten Bilder der Touren dieses Jahres. Arco, Norwegen, Kap Verden – alle Touren werden ab sofort in regelmäßigen Abständen auf der Facebook-Seite des Alpinclub publiziert. Und: wir haben eine neue Whats-App-Gruppe für Kletterfreundinnen eingerichtet, bei der sich alle eintragen können, die mitkriegen wollen, wann was wo mit wem geht – Anmeldung bitte über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

So. Der Beitrag darf nicht enden, ohne dem zu danken, dem wir auch diese Organisation verdanken: Martin Benseler. Ohne sein umtriebiges Engagement hätten wir diese Tage in der Pfalz und am Fels nicht genießen können - Vielen Dank, Martin!


Freuen wir uns auf das nächste Anklettern 2018! Bitte scheut Euch nicht, uns anzusprechen, zu weiteren Kletterevents - oder um Euch selbst ein wenig zu egagieren. Jede helfende Hand tut uns, unserem Verein und dem Klettersport gut ;-)

Singende-Steine

Ein tolles Video um das Thema Kletterhalle und Pfälzer Wald findest Du auf Youtube.
Und hier noch ein paar Impressionen:

 sabine-horst

christiane

andrea

Hand-und-fuss

1

ana-tanja

landschaft1

nicole

ana 

 

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